Kurfürstenstraße 16 H

… das Häuschen, ich hab kein Foto gefunden, aber es war, sah sehr bezaubernd, noch ein bisschen fremd für Frankfurt aus, es hätte ein bisschen den Stil eines englischen Cottage-Hauses. Wir haben es übernommen von den Hara-Krishna-Leuten, wir mußten also garnicht viel ändern. Und wenn man reinkam, war unten rechts die Distel, der erste alternative Lebensmittelladen, wenn man so will, und dann ging es eine Holztreppe hoch und oben war ein wunderschöner großer Teeraum, mit Pflanzen, kleinen Tischen und ner Küche. Es roch stark nach Räucherstäbchen. Der Geruch war noch da.
Es roch nach Räucherstäbchen, aber es war wirklich schön eingerichtet mit Pflanzen und da habe ich unter anderem Mittwochs immer gekocht. Wenn man sich die erste Anzeige der Distel im Pflasterstrand ansieht, dann sieht man da das Jing-und-Jang-Zeichen. Und wie wir damals gekocht haben, das war makrobiotisch und das geht auch sozusagen nach dem Paradigma der Ausgewogenheit von Jing und Jang vor sich.
Ich habe dann mit zwei Kolleginnen Brennnesseln gesammelt, Naturreis gekocht, eine spezielle Soja-Sauce gehabt. Also es war schon sehr alternatives Essen. Ich hab dort manchmal auch übernachtet. Das Häuschen hatte eine sehr gute Atmosphäre. Es gab ja auch eine Gesundheitsgruppe. Und wir haben den, ich sag jetzt mal, eigentlichen Guru der Hara-Krishna-Leuten, übernommen. Der hatte ayurvedische Massagekurse mit uns gemacht.“
Rudolf Sievers über das Kulturzentrum in der Kurfürstenstraße 16 H, das „Häuschen“. Gründungsort des Pflasterstrand im Jahr 1976. Sitz der Distel.