Revolutionärer Kampf – RK (BPG)

Die ersten Papiere zum Konzept des RK erschienen in der Nr. 58 der „Socialistischen Correspondenz“ (30.11.1970). 1971 erschienen diese Texte als unter dem Titel „Arbeitspapiere No. 3 – Revolutionärer Kampf (BPG Frankfurt)“ im Merve-Verlag. Der RK verstand sich als in die Gesellschaft intervenierende politische Gruppe, linksradikal (im positiven Sinne sich von der stalinistischen und reformistischen Linken absetzend). Das erste entwickelte Interventionsfeld war „der Betrieb“, und dies hieß damals in Frankfurt für die Genossen und Genossinnen: Wir gehen in die Betriebe, zum Opel nach Rüsselsheim, zum Neckermann im Frankfurter Ostend, zu Hartmann & Braun und VDO in Frankfurt-Bockenheim, zum Adler im Gallus. Die bereits zur Zeit des SDS im Jahr 1969 entstandene „Betriebsprojektgruppe“ (BPG) hatte ein Konzept von „Innen- und Außenkader“ entwickelt: .Die in die Betriebe gehenden Genossinnen und Genossen sollten intensiv begleitet werden von Genossinnen und Genossen, die draußen geblieben werden. Gemeinsam sollte diskutiert und eine Verbindung gesucht werden zwischen den Erfahrungen „im Betrieb“ mit den intellektuellen Erkenntnissen „draußen“. Im Jahr 1970 nehmen die ersten Frankfurter Genossen die Arbeit beim Opel auf,  die Nummer 1 der Zeitschrift für die Opel-Arbeiter erscheint zum 1. April 1971, als Adresse des RK wird die in Rüsselsheim bestehende „Karl-Marx-Buchhandlung“ angegeben, später eine Adresse in der Basaltstraße in Frankfurt-Bockenheim, einmal auch eine in der xx-Straße. Mehrfach wird der Kontakt via Postfach 4232 möglich gemacht, oder die Karl-Marx-Buchhandlung.

Was und wer war der RK?

Der Kern des RK waren Genossinnen und Genossen in 4 oder 5 Frankfurter Wohngemeinschaften. Anders als in „klassischen“ Organisationen wurde „man“ nicht Mitglied, sondern vom Kern des RK auserwählt „dazuzugehören“. Die Offenheit von Versammlungen war nicht identisch mit einer Mitgliedschaft. Wenn z. B. im Bockenheim-Zentrum in der Sophienstraße 95 über die am 10. Mai 1976 stattfindende „Ulrike-Meinhof-Demo“ diskutiert wird, dann ist das ein offener RK-Treff, u.a. mit Zuschauern im Türrahmen, die zwar schon lange dabei sind (u.a. Mitglieder der Betriebsprojektgruppe u.a. ehemalige SDS-Genosssen), aber nicht RK-Mitglieder sind. 

Fragen ohne Antworten

  • Wer waren nun die RK´ler der ersten Stunde und wer war „zuletzt“ noch RK´ler, bevor alle Spontis wurden?
  • Wann löste sich der RK eigentlich auf?
  • Was ist der Unterschied zwischen dem RK und den Spontis ?

Merve Verlag Berlin 1971

Im Arbeitspapier aus dem Jahr 1971  werden die allgemeinen Grundsätze des RK, an denen er seine Arbeit ausrichtet, dargelegt. Es versteht sich nicht als Programm, aber als „programmatisch“. 1

1 „Die Gruppe ging aus der antiautoritären Studentenbewegung hervor und besteht von daher noch ausschließlich aus sozialistischen Studenten, die ihr sozialistisches Bewußtsein zunächst in den Erfahrungen und Reflexionen der Studentenbewegung ausgebildet haben.“ (S. 3)  …

„Agitation und Propaganda müssen somit aus der Untersuchung heraus entwickelt und in sie mit einbezogen werden, wobei das Ziel von Agitation und Propaganda auf gemeinsames Handeln, d. h. Umsetzung der Konflikte in Aktion ausgerichtet sein wird. Kriterium für uns ist also wesentlich die Frage, inwieweit sich die Proletarierinnen in Aktionen als handelndes Subjekt erfahren können, die Delegation ihrer Interessen an die herrschenden Institutionen und an den Mann aufbrechen können – und zwar in der Produktion wie in der gesamten Organisation der Reproduktion – und erst in diesem Aufbrechen ihre eigenen Interessen klarer erkennen lernen und gleichzeitig die Mechanismen, die sie an der Durchsetzung dieser Interessen hindern. Kriterium ist also der Lernprozeß der proletarischen Frauen, wobei … „  (S. 58)

[… wird fortgesetzt]